SCHÖNE NEUE WELT DES BANKING - SERIE ZUR DIGITALISIERUNG: DIE TOKENISIERUNG VON ASSETS (18) - DIGITALWÄHRUNGEN

Wie es mit Libra weitergeht

bg – „Der zentrale Faktor, der eine Währung stabil hält, ist die Vertrauenswürdigkeit ihres Herausgebers.“ Das sagte dieser Tage James Bullard, Präsident und Leiter der US Federal Reserve Bank of St. Louis, als er über die von Facebook geplante Digitalwährung Libra sinnierte – und zog als Beweis dafür den Verfall der Landeswährung von Venezuela gegenüber dem Dollar heran. Geld ist Vertrauenssache – und wer wüsste das besser als die Notenbanker, die über staatlich gedeckte Währungen wachen und seit der Finanzkrise und dem Aufkommen des Populismus beobachten müssen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldwertstabilität gelitten hat.

Seitdem leiden die Sparer, zumindest in Europa, unter immer tieferen Realzinsen für ihre Depositen. Man kann es ihnen nicht verdenken, dass sie sich nach Alternativen umschauen. Eine solche haben technologieaffine Anleger in Bitcoin gefunden, dessen Geldmenge per definitionem begrenzt ist. Diese Knappheit könnte zu einer gewissen Wertstabilität beitragen, sobald der Handel liquide genug und mit erhöhter regulatorischer Aufsicht nicht mehr so anfällig ist für Manipulationen, die für hohe Kursausschläge sorgen.

Möglicher Schub für Bitcoin

Die Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel verläuft bislang zwar schleppend, könnte sich aber mit Skalierung über die so genannte Layer-2-Technologie des Lightning Network beschleunigen. Die Abwicklung findet über die dezentrale Lightning-Infrastruktur statt. Das funktioniert, wenn genug Teilnehmer eigene Rechnerkapazität bereitstellen und diese über eine Schnittstelle (Node) verfügbar machen. Was das alles mit Libra zu tun hat? Facebok wird für ihre Payment-Tochter Calibra, welche die Wallet-Funktionalitäten bereitstellt, wie geplant Zahlungsverkehrslizenzen beantragen. Wenn Calibra-Chef David Marcus das ordentlich macht, wird Facebook in den elektronischen Zahlungsverkehr einsteigen. Die Frage ist, ob der US-Konzern dann Libra Coins durchleiten wird oder eine andere Digitalwährung. Denn es macht den Eindruck, dass die Notenbanken schon bald mit eigenen Digitalwährungen kommen – oder der Einfachheit halber auf tokenisiertes Giralgeld setzen.

Eine andere Frage wiederum lautet, ob es in reifen Märkten überhaupt Bedarf für eine private Digitalwährung wie Libra geben wird. Facebook kann es sich leisten, da grundsätzlich agnostisch zu sein – es muss nicht unbedingt die eigene Digitalwährung sein, wenn es darum geht, auf den eigenen Plattformen zusätzliche Einnahmen zu generieren.

(Börsen-Zeitung, 6.9.2019)


Die kostenlose Veröffentlichung dieser Artikel aus der Börsen-Zeitung wird ermöglicht durch: